http://falschverbunden.blogsport.de Sat, 20 Aug 2011 12:23:56 +0000 http://wordpress.org/?v=1.5.1.2 en Keine Mitgliedschaft ohne „Ariernachweis“? http://falschverbunden.blogsport.de/2011/08/20/keine-mitgliedschaft-ohne-ariernachweis/ http://falschverbunden.blogsport.de/2011/08/20/keine-mitgliedschaft-ohne-ariernachweis/#comments Sat, 20 Aug 2011 12:23:56 +0000 Administrator Hintergrund http://falschverbunden.blogsport.de/2011/08/20/keine-mitgliedschaft-ohne-ariernachweis/ Mitte Juni kamen die Mitgliedsbünde der Deutschen Burschenschaft (DB) zu ihrer jährlichen Verbandstagung in Eisenach zusammen. Bereits im Vorfeld hatten rassistische Anträge für Wirbel gesorgt: Sie forderten u.a. den Ausschluss der Burschenschaft Hansea zu Mannheim aus dem Verband, weil diese einen Verbindungsbruder zum Mitglied habe, der, obwohl in Deutschland geboren und Inhaber eines deutschen Passes, ihnen nicht deutsch genug aussieht. Er hat chinesische Eltern. Nach Ansicht vieler DB-Mitgliedsbünde machen nur „Abstammung“ und „deutsches Blut“ einen richtigen „Deutschen“ – ein durch und durch rassistisches Konzept.

Wer ist Teil des „deutschen Volkes“?

Burschenschaften geben sich gerne elitär. Längst kann nicht jeder Studierende Mitglied einer Verbindung werden. Frauen sind in den formellen Männerbünden von vorne herein ausgeschlossen. Im 19. Jahrhundert war der Kampf gegen das Studium von Frauen ein zentrales politisches Anliegen der Burschenschaften. Geblieben ist heute eine antifemistische Programmatik, die von Geschlechtergerechtigkeit und Gleichberechtigung wenig wissen will. Doch auch längst nicht alle Männer dürfen Teil des Lebensbundes werden. Wer seinen Wehrdienst nicht abgeleistet hat oder keinen deutschen Pass besitzt, muss seit jeher draußen bleiben.
Die Einwanderungsgesellschaft stellt den nationalistischen Verband aber vor neue Probleme. Dürfen Kinder von EinwanderInnen Mitglied werden? Diese Frage treibt die Burschenschaftler um. Es geht dabei um „Verbindungsbrüder“ wie den Mannheimer Kai Min Au, der bekennt „in bin stolz als Wehrdienstleistender meinem Vaterland gedient zu haben, und ich bin stolz Deutscher zu sein.“ Verbindungen wie Au`s Hansea zu Mannheim definieren Volk und Nation im Sinne einer „Kulturnation“. Ihnen reicht die deutsche Staatsangehörigkeit und die „persönliche Identifizierung mit der Nation“ aus, um ein Mitglied in ihre „Gemeinschaft deutscher Patrioten“ aufzunehmen. Dabei berufen sie sich auf den Artikel 9 der Verfassung der DB, der regelt, was der Verband unter Volk versteht. Dort heißt es: „Unter dem Volk versteht sie die Gemeinschaft, die durch gleiches geschichtliches Schicksal, gleiche Kultur, verwandtes Brauchtum und gleiche Sprache verbunden ist.“

„Ariernachweis“ gefordert

Genau dies sehen vor allem diejenigen Verbindungen, die in der einflussreichen innerverbandlichen Arbeitsgemeinschaft „Burschenschaftliche Gemeinschaft“ organisiert sind und den rechten Flügel der DB prägen, anders. Sie machen sich für einen „volkstumsbezogenen Vaterlandsbegriff“ stark, der die „gleiche Abstammung“ der Mitglieder eines Volkes betont. Sie befürchten, dass das völkische Nationsverständnis, das die Burschenschaft seit ihrer Gründung prägt, aufgegeben wird. Die Alte Breslauer Burschenschaft der Raczeks zu Bonn, bekannt für ihre große Nähe zur extremen Rechten, stellte deshalb den Antrag, der Burschentag in Eisenach möge beschließen, „dass das in Artikel 9 Satz 2 der Verfassung der Deutschen Burschenschaft genannte Merkmal des gleichen gemeinsamen Schicksals eine deutsche Abstammung beinhaltet.“ In ihrer Begründung führten sie an, dass „die Zugehörigkeit zu einer geschichtlichen Schicksalsgemeinschaft und somit zu einem Volk nur durch eine gleiche bzw. gleichartige Abstammung vermittelt werden kann.“ Eine „nichteuropäische Gesichts- und Körpermorphologie“ weise auf die „Zugehörigkeit zu einer außereuropäischen populationsgenetischen Gruppierung und damit auf eine nicht-deutsche Abstammung“ hin. Das ist Rassismus, wie er offener nicht formuliert werden kann.
In einem weiteren Antrag forderten die Raczeks dann den Ausschluss der Burschenschaft Hansea, weil es „besonders in Zeiten fortschreitenden Überfremdung“ nicht hinnehmbar sei, „dass Menschen, welche nicht von deutschem Stamme sind, in die Burschenschaft aufgenommen werden.“ Rückendeckung bekommen die Rassisten dabei von einem im November 2010 veröffentlichten Gutachten des „Rechtsausschusses der Deutschen Burschenschaft“, das sich ebenfalls mit der Frage beschäftigt, wer Teil des „deutschen Volkes“ ist und damit in die Burschenschaft aufgenommen werden kann. Das Gutachten kommt zu dem Ergebnis, dass das „deutsche Volk“ eine „Abstammungsgemeinschaft“ ist, der es zudem nicht gelungen sei, eine „einheitliche deutsche Staatsnation zu bilden“. Das „deutsche Volk“ lebe auf dem Gebiet der Bundesrepublik Deutschland und der Republik Österreich sowie in den „noch in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts geschlossenen deutschen Siedlungsgebieten in Ost- und Südosteuropa“. Diese Position ist die Grundlage dafür, dass in der Deutschen Burschenschaft ganz selbstverständlich auch österreichische Bünde Mitglied sind und dass die bestehenden deutschen Grenzen immer wieder in Zweifel gezogen werden. Der revanchistische Anspruch der DB drückt sich in Veröffentlichungen aus, in denen Deutschland in den Grenzen von 1937 dargestellt wird. Deutlich formuliert das Gutachten auch, wer nicht zum Volk dazugehören darf: „Personen, mit mehrheitlich außereuropäischen Vorfahren“. Bestehen bei einem Bewerber Zweifel an seiner „Volkszugehörigkeit“, dann solle er einer Überprüfung unterzogen werden. Das Gutachten legt genau fest, wann eine Überprüfung zu erfolgen habe:
„1.Bei einem Bewerber, der nicht dem deutschen Volk angehört.
2. Bei einem Bewerber, dessen Eltern nicht beide dem deutschen Volk angehören.
3. Bei einem Bewerber, dessen Eltern zwar deutsche Volksangehörige sind, der selbst aber einem anderen Volk angehört.“
Nicht zu Unrecht schrieb deshalb der SPIEGEL, die DB wolle den „Ariernachweis“ einführen. Die Positionen des Rechtsausschuss und der „Burschenschaftlichen Gemeinschaft“ unterscheiden sich in keinster Weise von der Auffassung der NPD, die behauptet: „Deutscher ist, wer deutscher Herkunft ist und damit in die ethnisch-kulturelle Gemeinschaft des deutschen Volkes hineingeboren wurde. … Ein Afrikaner, Asiate oder Orientale wird nie Deutscher werden können, weil die Verleihung bedruckten Papiers (des BRD-Passes) ja nicht die biologischen Erbanlagen verändert, die für die Ausprägung körperlicher, geistiger und seelischer Merkmale von Einzelmenschen und Völkern verantwortlich ist.“

Rechter Lebensbund

Da verwundert es nicht, dass die Deutsche Burschenschaft wegen ihrer ideologischen Ausrichtung für NPD-Mitglieder und andere Neofaschisten attraktiv ist. In der Tat sind einige NPD-Funktionäre akzeptierte Burschenschafter. Das rassistische Gutachten stammt aber nicht aus der Feder eines NPDlers, sondern wurde von Dr. Hans Merkel verfasst. Der 77-jährige ist Mitglied der CSU und hatte es in der Politik weit gebracht. Er war Ministerialdirigent des Bundestages und Büroleiter des früheren Bundestagspräsidenten Richard Stücklen. Die DB charakterisiert, dass ihre Mitglieder sowohl aus Parteien wie FDP, CDU/CSU und eher seltener der SPD stammen als auch aus den Organisationen der extremen Rechten. Sie ist ein rechtes Sammelbecken, dass vom Konservatismus bis zum Neonazismus reicht. So stellte die Verbandszeitung in ihrer Rubrik „Burschenschafter in den Parlamenten“ die beiden NPD-Abgeordneten Jürgen Gansel und Arne Schimmer neben dem Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) und Hans-Peter Uhl (CSU) vor. Letzterer ist als innenpolitischer Sprecher der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag eigentlich für die Bekämpfung des „Rechtsextremismus“ zuständig, gehört aber selbst einem Verband an, der einen völkischen Nationalismus vertritt.

Ausgang des Burschentags

Vor dem Burschentag wurden auf Indymedia zahlreiche interne Dokumente der DB veröffentlicht, unter ihnen auch die angeführten Anträge und das Rechtsgutachten. Die öffentliche Diskussion über den Rassismus in der DB führte dazu, dass die Raczeks ihren Antrag zurückzogen. Nach der Tagung war der DB-Pressesprecher bemüht, die Veranstaltung als Erfolg zu verkaufen und die angeblich liberale Ausrichtung seines Verbandes zu betonen. In Wirklichkeit schlitterte die DB knapp an ihrer Spaltung vorbei. An dem Abend, als Kai Min Au im Präsidium saß, verweigerten die Mitgliedsbünde bis auf wenige Ausnahmen das Chargieren, das feierliche Auftreten der Mitglieder in Farben und mit Säbel. Ein eindeutiges Zeichen ihrer Ablehnung.

Burschenschaft Franconia zu Münster

Von den zahlreichen Studentenverbindungen in Münster sind lediglich zwei Burschenschaften und nur eine, die Franconia zu Münster, gehört noch dem Dachverband DB an. Die andere, die Burschenschaft der Pflüger Halle zu Münster, verließ die DB aufgrund deren Rechtsrutsches bereits Mitte der 1990er Jahre. Die Franconia zu Münster ist eine schlagende Verbindung, die das Fechten der Mensur als „ein unverzichtbares, freiwillig auf sich genommenes Zeichen der Einsatzbereitschaft“ versteht. Jeder Bundesbruder zeige damit, „daß er für seine Verbindung auch den ‘Kopf hinhält’. Die Franconia versteht sich als politischer Verband, dessen Leitspruch „Ehre, Freiheit, Vaterland“ ist. Dass bei der Franconia wenig Berührungsängste zur extremen Rechten bestehen, wurde immer wieder deutlich. Als 1998 die „Wehrmachtsausstellung“ in Münster gastierte, verteilten Franconen Flugblätter, die sich gegen die Austellung und für die Ehrenrettung der im Vernichtungskrief eingesetzten Wehrmachtssoldaten aussprachen. 2003 solidarisierte sich die Burschenschaft dann mit dem wegen antisemitischer Äußerungen in die Kritik geratenen CDU-Politiker Martin Hohmann. Einige Zeit wohnte auch der damalige Landesvorsitzende der NPD-Jugendorganisation auf dem Franconia-Haus an der Himmelreichalle. Erst nach massiven öffentlichen Protest trennte man sich von dem Neonazi. Im Januar 2008 sollte Gerd Schultze-Rhonhof anlässlich des „Reichsgründungskommers“, einer jährlichen Veranstaltung zum Gedenken an die 1871 erfolgte Ausrufung des Deutschen Reiches durch den preußischen König Wilhelm I, referieren. Der ehemalige Brigadegeneral Rhonhof gilt wegen seiner revisionistischen Thesen als „Kronzeuge der Neonazis“, behauptet er doch in seinem Buch „Der Krieg, der viele Väter hatte“, dass nicht Nazi-Deutschland Schuld am Zweiten Weltkrieg war, sondern sich lediglich gegen die Kriegspläne seiner Nachbarn zur Wehr setzte. Das Buch liegt mittlerweile in der 6. Auflage beim Olzog-Verlag vor. Erst die öffentliche Skandalisierung durch die Antifaschistische Linke Münster führte dazu, dass die Franconia das Referat „aus Krankheitsgründen“ absagte.

Die Franconia und der „Ariernachweis“

Die Franconia gehört innerhalb der Deutschen Burschenschaft der Unterorganisation der „Burschenschaftlichen Gemeinschaft“, also dem extrem rechten Flügel an. Sie unterstützte noch im Juni diesen Jahres eine “Erklärung zum volkstumbezogenen Vaterlandsbegriff” der Raczeks in den “Burschenschaftlichen Blättern” 2/2011, in der “die unterzeichnenden Burschenschaften ihren Protest gegen jede Bestrebung, die Abstammung als notwendige Voraussetzung deutscher Volkszugehörigkeit allgemein oder in Einzelfällen für entbehrlich zu erklären” ausdrücken. Ganz im Sinne des aktuellen Antrags zur Forderung eines “Ariernachweises” wird hier der “volkstumsbezogene Vaterlandsbegriff” als unerlässliches Kriterium genannt, welches zum “innersten Wesen” der Burschenschaften gehöre und sie von den übrigen gewöhnlichen Korporationen abhebe. Ganz klar wird hier auch von den Burschenschaften selbst die geschichtliche Dimension dieses völkischen Vaterlandsbegriffs aufgezeichnet und positiv besetzt, indem sie dessen Aufgabe als “Verrat an der burschenschaftlichen Geschichte und Überlieferung” bezeichnen und sich “zum deutschen Volk als Abstammungs- und Schicksalsgemeinschaft” bekennen.

Gegenüber der Münsterschen Zeitung versuchte sich Dr. Christian Faltin, Vorsitzender der „Alten Herren“, nun jedoch zu distanzieren. In seiner Burschenschaft gebe es keine Diskussion zu dem umstrittenen Antrag, überhaupt habe er von dem Thema erst aus den Medien erfahren. Das ist wenig glaubhaft, schließlich wird die Debatte um die Aufnahmekriterien der DB schon seit über einem Jahr geführt, ganz abgesehen von der oben erwähnten Erklärung in den “Burschenschaftlichen Blättern”. Und: Die Franconia steht inhaltlich voll und ganz hinter der völkisch-rassistischen Ausrichtung, die dem Antrag zu Grunde liegt. Denn laut Faltin ist „nicht der deutsche Pass, sondern die Zugehörigkeit zum deutschen Kulturkreis“ das entscheidende Kriterium. Der Mannheimer Burschenschafter wäre nicht in die Franconia aufgenommen worden, zitiert ihn die MZ. Anders als die Chilenen, die Mitglied in der Franconia sein dürfen, weil ihre Vorfahren von Deutschland nach Chile ausgewandert seien, gehöre dieser nicht zum „deutschen Volk“. Die Franconia zu Münster hat den umstrittenen Antrag gar nicht nötig, bei ihr ist der „Ariernachweis“ gängige und nicht hinterfragte Praxis.

AutorInnen: Antifaschistische Linke Münster, August 2011
zuerst veröffentlicht in: Antifa-Print #8

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Veranstaltung: Falsch verbunden – Gegen Burschenschaften und Männerbünde http://falschverbunden.blogsport.de/2011/08/10/veranstaltung-falsch-verbunden-gegen-burschenschaften-und-maennerbuende/ http://falschverbunden.blogsport.de/2011/08/10/veranstaltung-falsch-verbunden-gegen-burschenschaften-und-maennerbuende/#comments Wed, 10 Aug 2011 12:50:50 +0000 Administrator Termine http://falschverbunden.blogsport.de/2011/08/10/veranstaltung-falsch-verbunden-gegen-burschenschaften-und-maennerbuende/ Mittwoch, 17.08.2011 || 18:00 Uhr || Hörssal H2 || Hörsaalgebäude
Hindenburgplatz 10-12 || Münster

Veranstaltung mit Jörg Kronauer

Im Frühjahr 2011 gerieten Studentenverbindungen in den Blickwinkel einer breiteren Medienöffentlichkeit, nachdem bekannt geworden war, dass die Burschenschaft Raczeks zu Bonn einen sogenannten “Ariernachweis” für Mitglieder des Dachverbandes Deutscher Burschenschaften gefordert hatte. In den meisten Hochschulstätten, besonders in denen mit “Traditons”-Universitäten wie in Münster gibt es eine Vielzahl verschiedener Studentenverbindungen.

Im Stadtbild fallen ihre Mitglieder durch ihre eigentümliche Kleidung auf: bunte Kappen auf dem Kopf und Bändchen vor dem Bauch. Doch neben der Pflege überkommener Traditionen und Bräuche vereint die unterschiedlichen Verbindungen – seien es Sänger- oder Turnerschaften, Corps, christliche Verbindungen oder Burschenschaften – ein strukturkonservatives und tendenziell autoritäres Weltbild. Zum Teil zelebrieren sie ihr antiquiertes Macho-Männerbild durch Zweikämpfe mit scharfen Waffen (Mensuren).

Auch wenn sich viele Studentenverbindungen als unpolitisch darstellen, kann dieses Bild bei genauerem Hinsehen nicht aufrecht erhalten werden: auch in scheinbar “harmlosen” Saufgelagen, Aufnahmeritualen und uniformiertem Auftreten manifestieren sich patriarchale, frauenfeindliche und reaktionäre Einstellungen. Teilweise gipfelt dies in Denkweisen, welche denen der extremen Rechten in nichts nachstehen, wie Rassismus, Antisemitismus und Geschichtsrevisionismus.

Hiermit stehen die Verbindungen in ungebrochener Traditionslinie mit ihrer Geschichte im Nationalsozialismus. So wirkten damals viele Verbindungsstudenten an der Nazifizierung der deutschen Universitäten mit und bekämpften schon in den 1920er Jahren die noch junge Weimarer Demokratie. Manche von ihnen, insbesondere Burschenschafter, sind heute wieder in der extremen Rechten aktiv.

Der Vortrag informiert über Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen den zahlreichen Arten von Studentenverbindungen in Deutschland, gibt einen kurzen Überblick über ihre Geschichte und beleuchtet die Kontakte zur extremen Rechten.

17.08.2011 || 18:00 Uhr || Hörssal H2 || Hörsaalgebäude
Hindenburgplatz 10-12 || Münster


Hinweis: Die VeranstalterInnen behalten sich nach §6 Abs.1 VersG vor, Personen, die extrem rechten Parteien oder Organisationen angehören, die der extrem rechten Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische oder andere menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind, den Zutritt zur Veranstaltung zu verwehren oder von dieser auszuschließen. Dies gilt auch für Mitglieder farbentragender Studentenverbindungen.

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»Volkstumsbezogener Vaterlandsbegriff« http://falschverbunden.blogsport.de/2011/08/10/volkstumsbezogener-vaterlandsbegriff/ http://falschverbunden.blogsport.de/2011/08/10/volkstumsbezogener-vaterlandsbegriff/#comments Wed, 10 Aug 2011 12:19:46 +0000 Administrator Hintergrund http://falschverbunden.blogsport.de/2011/08/10/volkstumsbezogener-vaterlandsbegriff/ Die Burschenschaften streiten um ihr politisches Profil

In der Deutschen Burschenschaft (DB) ist ein Streit um die zukünftige politische Ausrichtung entbrannt. Seit Jahren plagen die DB Nachwuchssorgen, spalten sich Mitgliedsbünde ab und beklagen Aktive ein angeblich nicht vorhandenes politisches Profil und die innere Zerstrittenheit des Dachverbandes von 110 aktiven Burschenschaften. Der dominierende extrem rechte Flügel möchte das Profil des Verbandes nun unter Rückgriff auf den „volkstumsbezogenen Vaterlandsbegriff“ schärfen. Doch die Interpretation des Konzeptes ist ebenso umstritten wie die Annäherung an die NPD.

Die Selbstwahrnehmung der DB ist von der Strukturkrise eines der größten Dachverbände studentischer Verbindungen geprägt. Norbert Weidner, zu Beginn der 1990er Jahre Führungskader der neonazistischen Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei (FAP) und mittlerweile „Schriftleiter“ des Verbandsorgans Burschenschaftliche Blätter, stellte fest, der Verband friste „derzeit ein unbedeutendes Dasein“. An den Hochschulen, aber auch in Politik und Wirtschaft seien die Burschenschaften kaum wahrnehmbar. „Kein Bundestagsmitglied aus den Reihen der Deutschen Burschenschaft hat seine burschenschaftliche Mitgliedschaft auf seinen Internetseiten vermerkt, die Verbandsnadel wird von prominenten und bekannten Verbandsbrüdern kaum getragen“, heißt es in einem Diskussionpapier. Beklagt wird zudem eine angebliche inhaltliche Anpassung an den „linken Mainstream“. In ihrer Selbstwahrnehmung ist die DB von einem geschlossenen und einflussreichen Verband weit entfernt.

Pöbelhaft

Tatsächlich dauern der personelle Niedergang und der schwindende Einfluss der DB schon seit Ende der 1960er Jahre an. Statt damals 35.000 Mitgliedern umfasst der Verband heute nur noch 12.000, rund ein Drittel der Mitgliedsbünde verfügen nicht mehr über eine Aktivitas, also über aktive studentische Mitglieder, die das burschenschaftliche Leben auf den Häusern gestalten könnten. Wie die Krise überwunden werden kann, darüber herrscht Uneinigkeit. Auf den jährlichen Verbandstagungen werden die Differenzen deutlich. Die Fronten sind verhärtet, und dies zeigt sich auch in der Art und Weise der Auseinandersetzung. „Pöbelhaftes Benehmen bis hin zur körperlichen Aggression ist die Regel auf Verbandsveranstaltungen geworden“, beklagt Jörg Haverkamp, „Alter Herr“ der Freiburger Burschenschaft Saxo-Silesia.
Haverkamps Burschenschaft wird beschuldigt, mehrere Mitglieder aufgenommen zu haben, die nach Ansicht des Verbandsrates nicht über alle nötigen Aufnahmekritierien verfügen: nämlich männlich, „vaterlandstreu“ und „deutscher Abstammung“ zu sein. Die DB hängt einem völkischen Nationsbegriff an. „Volk“ wird nicht über die Zugehörigkeit zu einem bestehenden Staat definiert, sondern „als menschliche Gemeinschaft, die durch gleiche Abstammung, gleiches geschichtliches Schicksal, gleiche Kultur und verwandtes Brauchtum, dieselbe Sprache und zusammenhängenden Siedlungsraum verbunden und geprägt ist“ (Handbuch der Deutschen Burschenschaft). Aus Sicht der DB ist das „deutsche Volk“ größer als die Bevölkerung der BRD und umfasst auch Österreich, Südtirol und „deutsche Minderheiten“ in anderen Staaten. So gehören österreichische Burschenschaften und sogar chilenische Verbindungen der DB an. Mitglieder der Saxo-Silesia möchten Volk und Nation als „Kulturnation“ definieren. Es genüge die „persönliche Identifizierung mit der Nation“, heißt es in einer Stellungnahme. Man müsse zur Kenntnis nehmen, dass Deutschland und Österreich Einwanderungsländer seien. Die DB solle sich als Gemeinschaft bekennender „deutscher Patrioten“ definieren: „Oder sollte etwa ein Sohn des Bundesgesundheitsministers Rösler nicht Burschenschafter sein können?“

Gesetzestreue und andere Variablen

Obwohl auch für die Saxo-Silesia ein nationalistisches Bekenntnis unumgänglich für die Mitgliedschaft in einer Burschenschaft ist, werden ihre Positionen von einer Mehrheit in der DB abgelehnt und heftig bekämpft. So erwidert die Thessalia zu Prag in Bayreuth, die Auffassung der Saxo-Silesia laufe darauf hinaus, dass „jeder, der die deutsche Sprache beherrscht und von sich behauptet, Deutscher zu sein, automatisch als dem deutschen Volke zugehörig betrachtet“ werde. Doch zur „geschichtlichen Schicksalsgemeinschaft des deutschen Volkes“ könne nur gehören, wem „diese Eigenschaft durch Abstammung zuteil“ wurde. Die Thessalia argumentiert dabei offen biologistisch und rassistisch: Es sei eine „gesicherte Erkenntnis“, dass menschliche Rassen bestünden und ein „signifkantes asiatisches/europides/negrides Gefälle (…) in Bezug auf die Entwicklungsgeschwindigkeit, die Sterberaten, die Persönlichkeit, das Funktionieren der Familie, die Gesetzestreue, die Sozialorganisation und anderer Variablen“ erkennbar sei. Die „Kulturnation“ bleibe ohne ein „stabiles biologisch-ethnisches Substrat (‚Volk‘)“ eine Fiktion.
Völkisch-rassistische Anschauungen wie diese, die sich auf Geschichte und Programmatik der DB berufen können, prägen die Mehrheit der Burschenschaften; sie verhindern, dass die Krise des Verbandes mit einer relativen Liberalisierung beantwortet wird. Die in der Verbandszeitschrift, den Burschenschaftlichen Blättern, geführte Diskussion um den „volkstumsbezogenen Vaterlandsbegriff“, den Terminus Technicus für dieses völkische Nationsverständnis, ist dafür ein Beleg. In den Burschenschaftlichen Blättern wird unter anderem gefordert, der „volkstumsbezogene Vaterlandsbegriff“ solle als Alleinstellungsmerkmal und Unterscheidungskriterium zu anderen Studentenverbindungen weiter forciert werden – trotz oder gerade wegen der allgemein beklagten „nationalen Selbstvergessenheit“, der „Tätervolklegende“ (ein angeblicher „Gründungsmythos der BRD“) und der „Überfremdung“ im Rahmen der „multikulturellen Gesellschaft“. Sollte sich dieser Flügel innerhalb der DB endgültig durchsetzen, steht ein weiterer Rechtsruck bevor.

Neue Bündnispartner?

Wohin dieser Rechtsruck führen würde, zeigen die engen Kontakte zwischen Teilen der DB und der NPD. Deren Landtagsabgeordnete Jürgen Gansel und Arne Schimmer, beide Mitglieder der Burschenschaft Dresdensia-Rugia Gießen, wurden Ende 2009 in den Burschenschaftlichen Blättern unter der Rubrik „Burschenschafter in den Parlamenten“ persönlich vorgestellt. Daran schloss sich ein langes Interview mit Schimmer an. Zwar wurde das Interview von zwei innerverbandlichen NPD-Kritikern geführt; es stellt dennoch ein Novum dar: Erstmalig bekennt sich die DB offen zu ihren NPD-Mitgliedern und bietet ihnen Raum, ihre politischen Vorstellungen auszubreiten. Artig bedankten sich Interviewer und Schriftleitung dann auch für die sachliche Diskussion. Diese habe „Befürchtungen und vielleicht auch Mißverständnisse“ aufklären können.
Bei der Suche nach politischen Bündnispartnern fühlen sich die deutschen Burschenschafter im Vergleich zu ihren österreichischen Bundesbrüdern deutlich im Nachteil. In Österreich existiert ein recht stabiles deutschnationales Milieu, das neben zahlreichen Studentenverbindungen vor allem die FPÖ umfasst. Dass in Deutschland eine gesellschaftlich akzeptierte Rechtspartei jenseits der CDU fehlt, wird als Makel empfunden. So heißt es im Positionspapier „Herausforderungen für die Deutsche Burschenschaft“: „Die Deutsche Burschenschaft sollte sich Bündnispartner suchen, die im vorpolitischen Raum in gleicher oder ähnlicher Zielsetzung aktiv sind. Alleine als Korporationsverband wird die Deutschen Burschenschaft keine wirksamen politischen Aktivitäten entfalten können.“ Doch ob die NPD ein Bündnispartner sein kann, der der DB zu mehr gesellschaftlichem und politischem Einfluss verhilft, darf trotz aller Nähe bezweifelt werden – zumindest gegenwärtig ist die NPD organisatorisch zu schwach und im gesellschaftlichen Establishment zu sehr geächtet.
Noch gibt es Gegenwehr gegen einen weiteren Rechtsruck in der DB. Im März wandten sich Stuttgarter Burschenschaften in einem Offenen Brief an ihre Verbandsbrüder; darin forderten sie im Vorfeld des Burschentages 2010, den „erkennbaren rassistischen und extremistischen Tendenzen durch ein massives Gegengewicht“ Einhalt zu bieten. Bereits Mitte der 1990er Jahre hatten sich einige Burschenschaften von der DB wegen deren extrem rechter Tendenzen abgespalten, um im Rahmen der konservativen Neuen Deutschen Burschenschaft (NeueDB) oder auch als einfache Burschenschaft ohne Verbandszugehörigkeit weiterzuexistieren. Einen solchen Schritt halten die Verfasser des Offenen Briefs nicht für eine adäquate Lösung – jedenfalls bis heute.

Aus: Lotta – antifaschistische Zeitung aus NRW, Rheinland-Pfalz und Hessen, Nr. 39, Sommer 2010
Autor: Jan-Henning Schmitt

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disconnect! – Reader zu studentischen Verbindungen in Münster http://falschverbunden.blogsport.de/2011/08/10/disconnect-reader-zu-studentischen-verbindungen-in-muenster/ http://falschverbunden.blogsport.de/2011/08/10/disconnect-reader-zu-studentischen-verbindungen-in-muenster/#comments Wed, 10 Aug 2011 11:31:14 +0000 Administrator Hintergrund http://falschverbunden.blogsport.de/2011/08/10/disconnect-reader-zu-studentischen-verbindungen-in-muenster/ 2007 veröffentlichten die ASten von Universität und Fachhochschule eine umfangreiche Broschüre, die eine Bestandsaufnahme der unterschiedlichen Studentenverbindungen in Münster lieferte. Außerdem geben die Texte des 88 Seiten starken disconnect-Readers einen fundierten Einblick in Geschichte, Rituale und Selbstverrständnis studentischer Verbindungen. Gesondert wird sich auch mit der Konstruktion von Männlichkeit bei Verbindungsstudenten befasst.

Der Reader (PDF) kann hier heruntergeladen werden!

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Kronzeuge der Neonazis und Geschichtsverfälscher http://falschverbunden.blogsport.de/2011/08/09/kronzeuge-der-neonazis-und-geschichtsverfaelscher/ http://falschverbunden.blogsport.de/2011/08/09/kronzeuge-der-neonazis-und-geschichtsverfaelscher/#comments Tue, 09 Aug 2011 13:25:27 +0000 Administrator Hintergrund http://falschverbunden.blogsport.de/2011/08/09/kronzeuge-der-neonazis-und-geschichtsverfaelscher/ Burschenschaft Franconia lädt den Generalmajor a.D. Gerd Schultze-Rhonhof ein

Dieses Jahr [2008] lädt die Burschenschaft Franconia zu Münster den ehemaligen Bundeswehr-Generalmajor Schultze-Rhonhof zu ihrem alljährlichen „Reichsgründungskommers“ ein. Im 19. Januar soll der Ex-Militär und Geschichtsrevisionist Schultze-Rhonhof auf dem Frankenhaus an der Himmelfahrtsallee sprechen.[1] Der Generalmajor a.D. ist seit seinem Buch „1939 – der Krieg, der viele Väter hatte“ zu einem Kronzeugen der Neonazis geworden, behauptet er doch, die Hauptschuldigen am Ausbruch des Zweiten Weltkrieges seien Großbritannien und Frankreich. Hitler und Göring hätten noch versucht, den Krieg durch Verhandlungen mit Polen abzuwenden. Der Angriff auf die Sowjetunion sei nur ein Präventivschlag gewesen. [2]

Wer ist Gerd Schultze-Rhonhof?
Der 68-jährige Schultze-Rhonhof verließ 1995 die Bundeswehr, nachdem er in einer Rede das Bundesverfassungsgericht mit dem Volksgerichtshof der Nazis verglichen hatte. Das BverfG hatte zuvor die Parole „Soldaten sind Mörder“ unter bestimmten Bedingungen für straffrei erklärt. Außerdem kritisierte er die von der Bundesregierung beschlossene Verkürzung des Wehrdienst auf zehn Monate. Zuletzt diente Schultze-Rhonhof als „Territorialer Befehlshaber Niedersachsen und Bremen“ im Rang eines Generalmajors. [3 ]Nach seiner Frühpensionierung legte er sein erstes Buch „Wozu noch tapfer sein?“ vor, in dem er den Zustand der Bundeswehr beklagte. Er schrieb für bzw. gab Interviews für extrem rechte Zeitschriften wie Junge Freiheit, Das Ostpreußenblatt, Criticon und die Deutsche Militärzeitung.[4] Auch der Deutschen Nationalzeitung [5], dem Massenblatt aus dem Verlagsimperium des DVU-Vorsitzenden Gerhardt Frey, gewährte er 2005 ein Interview, worin er seine These vom Prävenitivkrieg gegen die Sowjetunion und die Friedensabsichten Hitlers ausbreitet.[6] Damit verortet sich Schultze-Rhonhof deutlich am äußersten rechten Rand des Parteienspektrums und in der Gesellschaft von NS-Nostaligern und Neonazis.

„Der Krieg, der viele Väter hatte“?
2003 veröffentlichte Schultze-Rhonhof sein Buch „Der Krieg, der viele Väter hatte“ im Münchener Olzog-Verlag, das mittlerweile in der dritten Auflage erscheint. Er befasst sich Darin mit der „Vorkriegsgeschichte“ und versucht Deutschlands Nachbarstaaten Kriegspläne gegen Deutschland nachzuweisen. Von der Geschichtsforschung sind seine Thesen nicht anerkannt. Auch das konservative Feuilleton der FAZ zerreißt das Werk.[7] Neben Voreingenommenheit und revisionistischen Motiven wird Schultze-Rhonhof auch nicht-wissenschaftliches Arbeiten vorgeworfen. Die Arbeiten anerkannter Historiker ignoriert er nämlich. An ihrer Stelle bezieht er sich auf bekannte Geschichtsrevisionisten oder führt als Literatur den dtv-Atlas zur Weltgeschichte und ein Schulbuch für Geschichte auf. Die extreme Rechte nimmt seine Thesen allerdings begeistert. [8] Der NPD-eigene Deutsche Stimme Verlag bewirbt das Buch mit folgenden Worten: „Das Buch liefert eine Neudarstellung der Kriegsschuldfrage auf hohem Niveau. Der frühere Generalmajor der Bundeswehr kann auf deutscher Seite keine konkrete Kriegsplanung erkennen, dafür aber langjährige Kriegsziele des Gegners, die 1939 die Lage zum Eskalieren brachten.“[9] Mittlerweile liegt auch eine Hörbuchfassung von der Firma Polarfilm vor, die auch Filme von anderen Geschichtsrevisionisten vertreibt.[10]

Kreuz und quer durch die extreme Rechte: Schultze-Rhonhof als Referent
Nach seinen Bucherfolg konnte Schultze-Rhonhof seine Referententätigkeit ausweiten. Er ist gern gesehener Gast bei extrem rechten Verlagen, Gesprächskreisen, der Deutschen Partei, Burschenschaften und Vertriebenenverbänden.[11] Sie wissen die entschuldenden Ausführungen zum NS-Regime zu schätzen, zumal sie aus dem Mund eines hochrangigen Militärs kommen. Die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes/Bund der AntifaschistInnen Stade zählt 2004 bis 2006 neunzehn Auftritte vor rechtskonservativen bis extrem rechten Organisationen. Mehrmals muss Schultze-Rhonhof nach öffentlichem Druck wieder ausgeladen werden. Räumlichkeiten werden den Veranstaltern gekündigt.[12] Einige Schlaglichter:
● 2004 tritt er als Festredner der 50-Jahr-Feier der Ordensgemeinschaft der Ritterkreuzträger in Hameln auf. Auch hier beklagt er die „Mitverantwortung der Sieger an der Entstehung des Krieges und ihrer Gräueltaten im Kriege“ und ehrt die versammelten Ritterkreuzträger.[13] Das Ritterkreuz gilt als die höchste Auszeichnung des NS-Regimes und wurde von Hitler persönlich für „besondere Tapferkeit vor dem Feind und für hervorragende Truppenführung verliehen“.[14] Das Bundesverteidigungsministerium verhängte ein Kontaktverbot zwischen der Ordensgemeinschaft und der Bundeswehr. Die Anziehungskraft dieser Organisation auf Neonazis, Burschenschaftler und ehemalige Bundeswehr-Mitglieder ist dennoch groß.[15]
● Im Februar 2005 referiert Schultze-Rhonhof vor dem Außen- und Sicherheitspolitischen Arbeitskreis der CSU in Landshut. Die Veranstaltung wird in der Lokalpresse stark kritisiert.[16]
● 2006 tritt Schultze-Rhonhof gleich viermal bei „Zeitgesprächen“ des Verleges Gert Sudholt auf. Sudholt führt unter anderem den Druffel & Vowinckel-Verlag und gibt die revisionistische Zeitschrift Deutsche Geschichte heraus. Er ist selbst schon wegen Volksverhetzung verurteilt worden.[17]
● Im Mai 2006 tritt Schultze-Rhonhof bei der München Burschenschaft Danubia auf. Sie gilt als fest in der extremen Rechten verankert und wird vom bayrischen Verfassungsschutz beobachtet.[18]
● Auch der Bund der Vertriebenen/Kreisverband Soest (BdV) läd Schultze-Rhonhof als Festredner zum Tag der Heimat 2006 ein. Öffentlicher Druck zwingt den BdV dazu, ihn wieder auszuladen.[19]
● Im Oktober 2006 soll Schultze-Rhonhof beim Regionalverband Nord des Bund Junges Ostpreußen in Hamburg-Eimsbüttel reden. Das Bezirksamt untersagt nach öffentlichen Protesten die Nutzung der städtischen Räumlichkeit.[20]

Burschenschaft Franconia zu Münster

Nach Münster wurde Schultze-Rhonhof durch die Burschenschaft Franconia eingeladen. Sie ist Mitglied im Dachverband Deutsche Burschenschaft und dem verbands-internen Zusammenschluss Burschenschaftliche Gemeinschaft. Diese gilt als extrem rechter Flügel, der ohnehin zum rechten Rand der Verbindungslandschaft gehörenden Deutschen Burschenschaft. Immer wieder ist die Franconia durch Verbindungen zur extremen Rechten aufgefallen: 1998 verteilte sie Flugblätter gegen die in Münster gastierende Ausstellung über die Verbrechen der Wehrmacht. 2003 verteilten Burschen Flugblätter, in denen sie sich mit dem CDU-Politiker Hohmann solidarisierten. Hohmann war aufgrund einer antisemitisch aufgeladenen Rede zum Tag der Deutschen Einheit in die Kritik geraten. Auch Schultze-Rhonhof stellte sich schützend vor den mittlerweile aus der CDU ausgeschlossenen Abgeordneten. Einige Monate wohnte das damalige NPD-NRW-Vorstandsmitglied und Sprecher der NPD-Jugendorganisation Junge Nationaldemokraten Oliver Westerwinter auf dem Frankenhaus. Erst nach massiven öffentlichen Protest trennte man sich 2004 von ihm. 2006 organisierte die Franconia ausgerechnet am 9. November – dem Jahrestag der Reichspogromnacht – eine Vortragsveranstaltung zu den „verlorenen deutschen Ostgebieten“.[21] Diese Aktivitäten haben die Franconia noch immer nicht sonderlich isoliert. Am Volkstrauertag nehmen sie jedes Jahr an der Gedenkveranstaltung der Stadt Münster im vollen Wix teil – Seit`an Seit` mit der Bundeswehr, dem Bund der Vertriebenen und anderen Verbindungsstudenten.

Fazit
Mit Schultze-Rhonhof hat sich die Burschenschaft Franconia einen Kronzeugen der Neonazis eingeladen und macht damit einmal mehr deutlich, wo sie politisch einzuordnen ist: Rechts außen. Von den Verbrechen des Nationalsozialismus wollte die Franconia schon immer wenig hören. Sie stören den positiven Bezug auf die deutsche Nation, den ihr Wahlspruch „Ehre, Freiheit, Vaterland“ ausdrücken soll. Auch wenn die Thesen von Schultze-Rhonhof wissenschaftlich unhaltbar sind, findet er bei den Burschenschaftlern aufmerksame Zuhörer. Als AntifaschistInnen werden wir nicht zusehen, wie Geschichtsverfälschung und Nationalismus salonfähig gemacht werden.

AutorInnen: Antifaschistische Linke Münster, Januar 2008

Anmerkungen:
[1] http://www.franconia-muenster.de/semester.htm
[2] Publizierter Vortrag bei der „Staats- und Wirtschaftspolitischen Gesellschaft“ (SWG) Hamburg, online: www.swghamburg.
de/Deutschland_Journal/Gerd_Schultze-Rhonhof_Der_weite_Weg_zum_deutsch-polnischen_Krieg.pdf
[3] Phillip, Jan: Der militärische Revisionist, in: Der Rechte Rand. Informationen von und für AntifaschistInnen, Nr.104, Januar/Februar 2007
Selbstporträt auf www.vorkriegsgeschichte.de
[4] Zur DMZ vgl. Geschichtsfälschung auf Hochglanz. Die Deutsche Militärzeitung, in: LOTTA – antifaschistische Zeitung aus NRW, Nr. 23, Sommer 2006, online unter: http://projekte.free.de/lotta/pdf/23/dmz.pdf
[5] Maegerle, Anton: Vielgefragter Redner. Ranghoher Ex-Militär hat sich in extrem rechten Kreisen einen einschlägigen Namen gemacht, in: Blick nach Rechts, Ausgabe 3/2004
[6] Frey jun., Gerhard: Wie frei ist der Soldat heute, Herr General? Generalmajor Schultze-Rhonhof über sein Buch „Der Krieg, der viele Väter hatte“ und Meinungsfreiheit in der Bundeswehr, in: Deutsche Nationalzeitung; online: www.national-zeitung.de/artikel_05/NZ17_4.html
[7] Hartmann, Christian: Im Generalsblick, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 26.11.2003, Nr. 275 zur Kenntnis. In der NPD-Zeitung Deutsche Stimme erscheint eine lobende Rezension.
[8] Provokationen eines Generals. Gerd Schultze-Rhonhof: 1939. Der Krieg, der viele Väter hatte, in: Deutsche Stimme Ausgabe 11/2003
[9] http://www.ds-versand.de/xtcommerce/product_info.php/info/p246_Schultze-Rhonhof--Gerd---Der-Krieg--derviele-Vaeter-hatte---Der-lange-Anlauf-zum-Zweiten-Weltkrieg.html
[10] Brahms, Rainer: Die Firma Polarfilm. Zwischen Rudolf Heß und Anne Frank, in: LOTTA – antifaschistische Zeitung aus NRW, Ausgabe 26/Frühjahr 2007
[11] Maegerle, Anton: Vielgefragter Redner. Ranghoher Ex-Militär hat sich in extrem rechten Kreisen einen einschlägigen Namen gemacht, in: Blick nach Rechts, Ausgabe 3/2004
Quelle, Michael: Generalmajor a.D. Gerd Schultze-Rhonhof. Jahresrückblick 2006, in: Antifaschistische Nachrichten Ausgabe 03/2007 Das Interview in der DMZ ist online einsehbar unter: www.swghamburg. de/…/Interview_von_Chefredakteur_mit_Generalmajor_aD_Gerd_Schul_.pdf
[12] Ausführliche Chroniken der Aktivitäten von Schultze-Rhonhof findet sich bei der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes/Bund der AntifaschistInnen, Kreisverband Stade online: http://www.stade.vvn-bda.de/schrh.htm
[13] Schultze-Rhonhof, Gerd: Festrede zur 50-Jahrfeier der Ordensgemeinschaft der Ritterkreuzträger am 16.Oktober 2004 in Hameln, online: http://www.swghamburg.de/Armee_im_Kreuzfeuer/Festrede_zur_50_Jahrfeier_der_Ordensgemeinschaft_der_Ritte_.pdf 14 Heiler, Kurt: Militarismus in NRW. Strukturen, Verbände, Aktivitäten, in: LOTTA – antifaschistische Zeitung aus NRW, Ausgabe 20/Sommer 2005
[15] In Tradition von Wehrmacht und Waffen-SS, in: Antifaschistisches Infoblatt, Ausgabe 77/Herbst 2007
[16] Quelle, Michael: Politischen Standort 2005 gehalten: Rechtsaußen, online: www.stade.vvn-bda.de
[17] Heine, Torben/Bergil, Lea: Revisionistische Geschichtsschreibung. Die Zeitschrift „Deutsche Geschichte“, in LOTTA – antifaschistische Zeitung aus NRW, Ausgabe 22/Frühjahr 2006
Quelle, Michael: Generalmajor a.D. Gerd Schultze-Rhonhof. Jahresrückblick 2006, in: Antifaschistische Nachrichten Ausgabe 03/2007
[18] Ebd.
[19] Tag der Heimat in Soest, in: LOTTA – antifaschistische Zeitung aus NRW, Ausgabe 25/Winter 2006
[20] Quelle, Michael: Generalmajor a.D. Gerd Schultze-Rhonhof. Jahresrückblick 2006, in: Antifaschistische Nachrichten Ausgabe 03/2007
[21] AStA der FH Münster/AStA der Uni Münster: disconnect! Reader zu studentischen Verbindungen in Münster, Münster 2006, online unter: http://www.astafh.de/wp-content/uploads/2007/11/disconnect.pdf

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http://falschverbunden.blogsport.de/2011/08/09/kronzeuge-der-neonazis-und-geschichtsverfaelscher/feed/